Neuere Deutsche Literaturgeschichte

 

Die Professur des Lehr- und Forschungsgebiets Neuere Deutsche Literaturgeschichte hat ihren Schwerpunkt in der Rekonstruktion des ideen- und wissensgeschichtlichen Referenzrahmens literarischer Texte, wodurch nicht nur philologische Techniken und hermeneutische Kompetenzen trainiert werden, sondern auch das Potential von Literatur zur Erhellung unserer Gegenwart erkannt werden soll. Forschung und Lehre fußen auf der Prämisse, dass solche Kontextualisierung eine notwendige Voraussetzung für die Erschließung der spezifisch ästhetischen Dimension und Funktion poetischer Werke darstellt. Einen besonderen Akzent setzt dabei das Bestreben, die Studierenden an die Schätze der digitalen Bibliotheken heranzuführen und mit Textkonstellationen jenseits der in modernen Ausgaben zugänglichen Literatur, der sogenannten „Höhenkammliteratur“, bekannt zu machen. Im Fokus der Publikationstätigkeit und des Lehrangebots stehen dabei Lessing und die Epoche der Aufklärung, die Goethezeit und die Romantik sowie die klassische Moderne bis Gottfried Benn. In Bezug auf die Literatur der Gegenwart werden kognitionswissenschaftliche Ansätze integriert und mit einer problem- und wissensgeschichtlichen Perspektive verbunden.

 

Leiterin des Lehr- und Forschungsgebiets

Universitätsprofessorin Dr. Monika Fick

 

Mitarbeiterin

Hanna Maria Hofmann, M.A.

 

Sekretariat

Wiltrud Kirfel

 

Forschungsschwerpunkte

Die durch meine Publikationen dokumentierten Forschungsaktivitäten konzentrieren sich im wesentlichen auf die folgenden Bereiche:

Aufklärungsforschung

Die Frage nach der Aufwertung der Sinnlichkeit im Rahmen der „anthropozentrischen Wende“ (Charles Taylor), die Reflexion des Leib-Seele-Problems und die Bestimmung der Rolle des Ästhetischen für das Leitbild vom „ganzen Menschen“ bilden den roten Faden des „Lessing-Handbuchs“ (593 Seiten; 2. Auflage 2004, 3. Auflage 2010, 4. Auflage 2016). Die Einführungen in den Kontext der einzelnen Werke sind darüber hinaus als grundsätzliche Orientierungen zu den Fragestellungen der Aufklärungsepoche angelegt. Dabei werden abstrakte und häufig als Stereotype verwendete Begriffe (aus den Bereichen der Philosophie und Theologie, der Poetik und Kunsttheorie) von den ursprünglichen Denkzusammenhängen her aufgeschlüsselt und mit Leben gefüllt (problemgeschichtliche Darstellung auf der Grundlage von Quellenstudien). In der dritten, neu bearbeiteten Auflage werden die gesellschaftlichen Transformationsprozesse, die mit der Aufwertung des Individuums Hand in Hand gehen, verstärkt berücksichtigt; die vierte Auflage ist um ein Kapitel „Lessing und die jüdische Aufklärung“ erweitert.
In zahlreichen Aufsätzen, unter anderem zur Toleranzdebatte, zum Orientbild und zur Modernisierung des Mythos bei Goethe, werden diese Fragestellungen vertieft und anhand neuer Quellen aus dem 18. Jahrhundert konkretisiert.

Literatur und Ästhetik

Das Buch „Der Schein der Dinge: Einführung in die Ästhetik“ signalisiert und dokumentiert mein Interesse an alten und neuen Theoriekonzepten sowie die Reflexion auf das schwierige Verhältnis zwischen ästhetischer Theorie und künstlerischer Praxis. Es handelt sich zugleich um den Versuch der Vermittlung fachwissenschaftlichen Wissens und Vorgehens an ein breiteres Publikum unter Einbeziehung junger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, zum Teil aus Aachen, als Beiträger und Beiträgerinnen.

Literatur und Wissen(sformen)

Diese Forschungsrichtung, die mit dem Thema „Literatur und Anthropologie“ zusammenhängt, wird vor allem durch meine Habilitationsschrift „Sinnenwelt und Weltseele“ von 1993 sowie eine Reihe jüngerer Aufsätze dokumentiert. Es geht um die Frage nach Wechselbezügen zwischen ästhetischen Ausdrucksformen und der Konstruktion von (natur-)wissenschaftlichem Wissen. Insbesondere das Internetprojekt „Sinne und Synapsen“ ist hier angesiedelt. Die Wissensform, auf die sich der Blick richtet, ist die Erforschung der Funktionsweise von Sinneswahrnehmung im Zusammenhang mit der seit 1900 rasch expandierenden Neurophysiologie. Hinsichtlich der Literatur der Gegenwart geraten kognitionswissenschaftliche Theorien und deren Bezüge zur literarischen Darstellung von Seh- und Wahrnehmungsformen in den Fokus.