Conference "(Trans)nationale Erinnerungsräume"

03/05/2023
 

(Trans)nationale Erinnerungsräume. Die deutsch-französische Freundschaft als Fallstudie für das Forschungsgebiet der memory studies

RWTH Aachen, 08.-10. Mai 2023

Organisation: Tom Vanassche

Raum 213

Kármán Auditorium

Eilfschornsteinstraße 15

52056 Aachen

Nach einer frühen Phase, in der die memory studies den Nationalstaat mehr oder weniger als zentralen Produzenten und Träger von Gedächtnis betrachteten (M. Halbwachs, A. und J. Assmann, P. Nora), haben die politischen und demographischen Entwicklungen der Nachkriegszeit zu einer intensiveren Analyse der konkreten bottom up Erinnerungsprozesse, die in der Zivilgesellschaft ‚organisch‘ stattfinden und im Bereich der Künste und der Literatur besonders sichtbar werden, geführt.

So wichtig diese Korrektur ist, so reell die Gefahr, dass die kontinuierliche, wenn auch historisch variable Rolle des Nationalstaatlichen in Erinnerungskulturen ausgeblendet wird. An dieser Stelle setzt die geplante Konferenz an, in dem sie sich dem Versuch widmet, die Wechselwirkungen zwischen einerseits dem Nationalen bzw. Nationalstaatlichen und dem Transnationalen bzw. Globalen und andererseits top-down und bottom-up Prozessen genauer zu beschreiben. Angedacht ist eine Fallstudie aus der Nachkriegszeit: die deutsch-französische Freundschaft, die 1963 durch die Élysée-Verträge institutionalisiert wurde. Hier findet man einen transnationalen Erinnerungsraum, der allerdings maßgeblich von zwei Nationalstaaten getragen wird. Fest steht, dass auch das Gedächtnis in diesem Kontext geschichtsträchtig ist: Diente diese Freundschaft am Anfang vor allem dem historischen Vergessen, so lautet unsere vorläufige These, dass dieser transnationale Erinnerungsraum auch – und unerwartet – in seiner internationalen Ausrichtung das Potenzial zur Aufrüttelung in einem jeweils nationalen Kontext geliefert hat.

Die Fragen, die wir gemeinsam diskutieren wollen, betreffen die literatur- und mediensoziologischen Voraussetzungen und die erinnerungstheoretischen Implikationen einzelner Werke der Erinnerungskultur. Diese Texte sind allerdings auch kritisch nach den Funktionen des Erinnerns zu hinterfragen.

 

Montag, 8. Mai 2023

Anreise

16.30 Registrierung

17.00 Begrüßung und Eröffnung

17.15 KEYNOTE Daniela Henke: „Memory Studies und deutsch-französische Freundschaft croisée. Engführungen einer Parallelgeschichte”

Dienstag, 9. Mai 2023

Panel 1: Unheimliche Freundschaften

10.00 Jean Bernard Mbah: „Relations européennes comme résultats des tensions interculturelles: Mémoire d´un choc interculturel franco-allemand dans les littératures“

Panel 2: Ambivalente Wahrnehmung

11.00 Hannah Scheithauer: „The Revue internationale (1960-1964): Towards an Intellectual Counter-Community of Memory“

12.00 Gunther Martens und Klara Boghaert: „Deckerinnerungen und “histoire non croisée” in Philippe Claudels Fantaisie allemande und in Laurent Binets HhhH“

Panel 3: Die deutsch-französische Freudschaft jenseits der Literatur(wissenschaft)

14.30 Anne Klein und Jens Tanzmann: „Geschichte wird gemacht. Aber wie wird Geschichte erinnert? – Erinnerungskultur am Beispiel des ‚Lischka‘-Prozesses 1979/80“

15.30 Regina Schleicher: „Transnationale Erinnerungsräume in Lehrwerken für den Französischunterricht in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)“

Panel 4: Die deutsch-französische Freundschaft postkolonial

16.45 Caren Bea Henze: „Weltkriegs- und Kolonialvergangenheit als Verflechtungsgeschichte. Postkoloniale Interventionen in den deutsch-französischen Erinnerungsraum“

17.45 Katja Schubert: „‘Hauptbahnhoffnung, Zugehör, Berliner Ensemble. Es braucht die Freundschaft, um es zu sagen: „Allemagne“‘: Hélène Cixous und Cécile Wajsbrot schreiben Une autobiographie allemande

Mittwoch, 10. Mai 2023

Panel 5: Die deutsch-französische Freundschaft remediated: Überwindung, Verzerrung und Potenziale

09.30 Tom Vanassche: „Vom Erinnerungsraum zum Gegenstand der Erinnerung: ARTE und Au Service de la France

10.30 Anne Peiter: „Hitler-Merkel, Pétain-Macron, die Résistance und der Genozid an Ungeimpften. Überlegungen zu Erinnerungsräumen und -konstrukten deutscher und französischer ‚Corona-Gegner‘“

11.30 Benjamin Pfannes: „Ein blinder Fleck der deutsch-französischen Geschichte: Sigmaringen im Winter 1944/45“

13.30 Abschließende Diskussion und Ausblick