Prof. (em.) Dr. Hans Otto Horch


Forschungsschwerpunkte

Lehr- und Forschungsgebiet "Deutsch-jüdische Literaturgeschichte"

Das 1992 neu eingerichtete Lehr- und Forschungsgebiet "Deutsch-jüdische Literaturgeschichte" ("Ludwig Strauß-Professur", benannt nach dem Dichter und Literaturwissenschaftler Ludwig Strauß, der 1892 in Aachen geboren wurde, zwischen 1929 und 1934 als Dozent an der TH tätig war, dann nach Israel übersiedelte und 1953 in Jerusalem starb) widmet sich als einzige Institution in Deutschland historisch und systematisch der deutschsprachigen Literatur jüdischer Autoren seit dem 18. Jahrhundert. Dabei geht es keineswegs darum, die jüdische Herkunft eines Autors zum alleinigen Kriterium einer Beschäftigung mit ihm zu machen, sondern um eine Rekonstruktion interkultureller, auf unterschiedliche Identitäten abzielender Diskurse über jüdische Tradition und Existenz in der deutschsprachigen Literatur. Von der Sache her ist das Forschungsgebiet immer schon interdisziplinär ausgerichtet, weshalb eine Erweiterung in der Denomination "Deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte" angestrebt wird. Kooperationsmöglichkeiten ergeben sich insbesondere zu den Fächern Geschichte, Politische Wissenschaft, Anglistik, Romanistik, Theologie und Philosophie, soweit sie sich mit Fragen der jüdischen Geschichte, Kultur und Literatur auseinandersetzen.

1992 wurde ein Forschungsprogramm entworfen, das im wesentlichen folgende Schwerpunkte umfaßt:

1. Etablierung der wissenschaftlichen Reihe "Conditio Judaica. Studien und Quellen zur deutsch-jüdischen Literatur- und Kulturgeschichte" (Max Niemeyer Verlag, Tübingen, bislang 50 Bände), in der auf internationaler Basis wichtige Arbeiten und Quellen zum Forschungsfeld veröffentlicht werden können –

2. Einwerbung von Drittmitteln für verschiedene Projekte, die sich im Umfeld des Forschungsprogramms bewegen (Fördervolumen ca. € 2.080.000,-) –

3. Betreuung einschlägiger Dissertationen –

4. Zahlreiche Publikationen, Sammelbände und Editionen zum Gesamtbereich der "deutsch-jüdischen Literatur- und Kulturgeschichte", einmündend in die

5. Gesamtdarstellung der deutsch-jüdischen Literaturgeschichte im Sinn einer Diskursgeschichte seit dem 18. Jahrhundert (bislang 4 umfangreiche Studienbriefe für die FernUniversität Hagen, Buchprojekt mit Andreas Kilcher bis 2006, Verlag C.H. Beck München).

Aus dem DFG-Projekt "Digitalisierung jüdischer Periodika im deutschsprachigen Raum" hat sich ein weiterer Forschungsschwerpunkt ergeben, der eine Brücke von den Geistes- und Sozialwissenschaften zu den Technik- und Naturwissenschaften darstellt: die Edition von digitalisierten Texten im Internet mit den entsprechenden Tools. Das aus dem Projekt hervorgegangene Internet-Archiv Compact Memory, das mittlerweile einen großen Bekanntheitsgrad erreicht hat, wurde von der Aachener Firma semantics Kommunikationsmanagement GmbH (einer der Geschäftsführer ist Prof. Dr. Christian Stetter) technologisch betreut, insbesondere von Kay Heiligenhaus, der am Germanistischen Institut sein Studium der Linguistik und Literaturwissenschaft absolviert hat. Kooperationsmöglichkeiten ergeben sich von hier aus nicht nur mit Fächern der Philosophischen Fakultät, sondern auch mit Fächern aller anderen Fa-kultäten, die an der Edition von Texten jeder Art im Internet interessiert sind. Außerdem ist die Bibliothek der RWTH ein wichtiger Ansprechpartner.