Lehrstuhl für Ältere Deutsche Literatur

Prof. Dr. Silvia Schmitz


Forschungsschwerpunkte

Mittelalterliche Literaturtheorie (Rhetorik/Poetik)

Mittelhochdeutsche großepische Texte sind in der Regel Adaptationen altfranzösischer Vorlagen. Bei diesen Bearbeitungen werden rhetorisch/poetische Prinzipien wirksam, die die gelehrten Autoren im lateinischsprachigen Schulunterricht erworben haben. Sie zu verstehen, setzt das Studium mittellateinischer Poetiken voraus, die als Regeln kodifizieren, was im Grammatik- und Rhetorikunterricht gelehrt wird. Durchdringt man diese Regeln, läßt sich die Genese einer Bearbeitung nachvollziehen. Für das Gebiet der literarischen inventio konnte am Beispiel Heinrichs Veldeke bereits Grundlegendes erarbeitet werden. Weitere Problemfelder wie zum Beispiel die im Mittelalter von neuzeitlichen Vorstellungen höchst divergente Form-Inhalt-Relation bedürfen noch etlicher Anstrengungen.

Französisch-deutsche Literaturbeziehungen im Mittelalter

Eng verbunden mit dem oben beschriebenen Forschungsschwerpunkt ist das Interesse an den französisch-deutschen Literaturbeziehungen. Die Techniken der Bearbeitung (Kürzungen, Erweiterungen, Umplazierungen etc.) erschließen sich nicht nur aus der Regelpoetik, sondern gleichermaßen aus dem Vergleich der mittelhochdeutschen Werke mit ihren Vorlagen. Um Arbeitstechniken und mit ihrem Einsatz verbundene Intentionen der Autoren erkennen zu können, muß sich die vergleichende Forschung auf kleinste Einheiten, etwa auf einen einzelnen Vers richten. Hier ist für fast alle großen Erzähltexte noch nahezu alles zu tun.